Liebeserklärung an Maja

Liebeserklärung an Maja

Finn lebt am Fjord, so lange er denken kann. Mit Maja, seiner Frau, hat er drei Söhne groß gezogen. Gemeinsam haben sie sein Sägewerk übernommen, jetzt läuft alles ohne ihn. Manchmal sehnt er sich zurück, Vertrieb, Büro oder dem geliebten Wald. Der Geruch des frischen Holzes, gerade nach dem Fällen der Bäume.

Seine Füße baumeln im seichten Wasser, während er genüsslich an seiner Pfeife zieht. Die Kinder sagen, es ist ungesund. Erzähl einem alten Menschen, was gesund ist.

Im Schatten trocknet die Leinwand, an der er seit zwei Tagen arbeitet. Seine späte Leidenschaft. Vor drei Jahrzehnten hat er damit angefangen. Damals, als Maja krank wurde.

Seine Wut, Hilflosigkeit und übergroße Liebe legte er in sein erstes Werk.

Er warf auf die Silhouette von Maja und sich Farbbeutel. Bizarr und trotzdem erkennbar: Sie umarmen und lieben sich.

Die Chemotherapie hat sie gut überstanden. Danach wuchsen ihr lockige Haare; sie ließ sie wachsen bis zur Hüfte. Schön. Nach zwei Jahren war sie ein anderer Mensch, in den ich mich neu verliebte.

Nichts nahm sie mehr kritiklos hin. Es war einfach nur spannend. Warum habe ich nie hinterfragt? Durch sie wurde ich mutiger. Wir lernten die neuen Seiten des Anderen kennen.

Wir gingen zum Portugiesen, diesem göttlichen Koch, der sich vor langer Zeit hier niedergelassen hat. Ich gab richtig viel Geld aus. Nicht, das wir es nicht gehabt hätten, dieses Tauschmittel Geld. Es schlief eh  die meiste Zeit in der Bank und vermehrte sich, ohne unser Zutun. Es hatte keine Bedeutung mehr für uns

Nur mit Maja konnte er so ein Essen genießen. Im Hintergrund lief klassische Musik, welche wie von Zauberhand endete, als wir den letzten Krümel vom Nachtisch verzehrt hatten.

 

Maja fragt mich: Möchtest du mich heiraten?

 

Ich hatte es sie vor 25 Jahren gefragt, jetzt fragt sie mich.

Ich kann mein Glück kaum fassen. Nur durch diese teuflische Krankheit bekommen wir diese große Chance. Wir packen zu, ergreifen mit beiden Händen das „Jetzt“.

Ich verfasse einen Nachlass. Zu gleichen Teilen sollen die Kinder alles erben, außer, Maja lebt noch. Sie soll entscheiden, was gut ist. Ich habe wichtige Dinge immer Maja machen lassen.

Wir lassen uns treiben und die Zeit passt auf, das wir nicht verloren gehen. Maja war immer die Nummer eins für mich. Ich, Finn Bergdahl, weiß, sie war immer außerhalb jeder Konkurrenz. Fühlten sich die Kinder manchmal ausgeschlossen? Wenn ja, so haben sie sich niemals beschwert. Ich schleppe zu viele Altlasten mit mir herum, denkt er. So wie damals, als er glaubte, ohne ihn geht gar nichts im Betrieb. Er musste lernen loszulassen, sich mutig  fallen zu lassen, Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Kinder zu entwickeln.

 

Anna hat sich beschwert. Die fordernden Anna, will mich für sich allein. Als Forstaufseherin begutachtet sie meine Wälder.

In den gestohlenen Stunden lassen wir uns treiben. Kilometerweit um sie herum gibt es nichts, außer Wald und Tiere. Die langen, einsamen Arbeitstage, weit weg von Maja, lassen ihn schwach werden. Sehnsucht und körperliche Nähe verbindet die beiden für kurze Zeit.

Er zieht die Notbremse. Ich Idiot, ich habe geglaubt, ich bin der König.

 

Unter Stress beende ich die Beziehung, den Rat des alten Nachbarn beherzigend, denn so einsam war es im Wald nun doch nicht. Er hat uns gesehen. Halt sie fest, die schöne Frau, Finn gib acht, sonst hast du sie verloren. Kämpfe!

Sie schreit und weint, Vorwürfe, das ganze Programm. Er schafft es, nur eins im Kopf: Maja, Maja, Maja.

Ihr Anderen da draußen, regelt euer Leben allein, ich kann euch nur ein Stück begleiten.

Ich werde sentimental, denkt er und zieht die Reuse an Land. Heute sind viele Krebse darin, seine Frau wird sich freuen. Maja liebt sie mit Knoblauch, reichlich. Sie genießt mit allen Sinnen, wie alles, was das Leben ihr so bietet. Sie lässt sich von mir nach Herzenslust verwöhnen, lässt zu, was ich ihr biete.

Hunger? Ja! Jetzt!

Nach wenigen Minuten bin ich Zuhause, betrete das Grundstück von der Gartenseite. Was ich sehe, erfüllt mich mit Wehmut und Liebe. Maja sitzt oben auf der alten Kinderrutsche und lässt sich von den letzten Sonnenstrahlen das Gesicht wärmen. Auf der obersten Sprosse stehen zwei gefüllte Gläser Wein, rot für mich, weiß für sie. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat sie auch schon den Grill vorbereitet. Sie bemerkt meinen Blick und öffnet die Augen. Zufriedenheit und Zuneigung liegen in ihrem Blick. Rasch klettere ich die Stufen hinauf und umarme sie. Wir stoßen an und trinken in der Abendsonne langsam und genüsslich unseren Wein.

Mein Freund, der alte Nachbar, kommt vom alltäglichen Abendspaziergang zurück. Lachend bleibt er stehen, sein kleiner Dackel bellt uns verwundert an. Wir rutschen zum Nachbarn hinunter und laden ihn zum Krebse essen ein.

In der Scheune sitzen wir die halbe Nacht, erzählen, trinken Wein und hören den Geschichten des alten Mannes zu.

Als er heim geht, klopft er Finn auf die Schulter.

Gut gemacht, alter Schwede!

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Oma braucht Geld

 

Lisa lebt auf dem Land. Genüsslich hat sie heute morgen zwei Tageszeitungen durchstöbert. Eine in Papierform, die zweite per Mausklick. All die Verlockungen müssen warten, denn das Geld ist ihr ausgegangen, ihr alter Jeep hat den Geist aufgegeben. 2 Jahrzehnte hat er sie treu und brav an ihre Ziele gebracht. Zusammen mit Jonathan, ihrem Labrador, der die gesamte Rückbank beanspruchte. Bei der Einfahrt zur Werkstatt verdrehten die Mechaniker die Augen, auch der Mensch vom TÜV. Es hatte an diesem Tag geregnet. Es stank ganz einfach widerlich nach nassem Hund. Mit Jonathan und meinen Gummistiefeln mache ich mich auf den Weg zum nahgelegenen Flüsschen, in der Hoffnung, das die Reparatur des Wagens in unserer Abwesenheit noch einmal gelingt. Früher haben die Autos länger gehalten, kann mich genau erinnern, dass mein Vater sein ganzes Leben lang nur ein Auto verschlissen hat, genauso wie die Nachbarn. Der stille Theo, der kannte sich aus mit Autos und nach Feierabend oder am Wochenende bastelte er und reparierte für ein paar Bier den Wagenpark der Nachbarschaft. Wenn etwas kaputt war, wurde es repariert. Wenn jemand einen Wunsch oder ein Ziel hatte, wurde dafür etwas auf die hohe Kante gelegt. In der Regel.(Hätte ich es doch auch nur getan).

Die ersten Ausrutscher machte Mutter mit dem Kaffeekauf, echte Bohnen per Post. Der Hit war, das oben in der Packung ein wahnsinnig leckeres Bonbon lag.

Wir Geschwister stritten uns darum und jeder wusste, wer das letzte Mal in den Genuss gekommen war. Gezahlt wurde in Raten, auch dann noch, als die letzte Kaffeebohne schon gemahlen war.

Bei den Erinnerungen rieche ich den Duft dieses starken Gebräues, blicke auf,  weil Jonathan an der Leine zieht.

Er hat mich zum kleinen Bauerncafe gezogen. Die Sonne kommt raus, also bleibe ich draußen, decke mir die arthrosegeplagten Knie mit der angebotenen Decke ab und bestelle mir eine Lauchkremsuppe mit frischem Sauerteigbrot. Jonathan legt sich auf meine Füße und knabbert den mitgenommenen Knochen. Wir brauchen beide gleich lange. Ein eingespieltes Team halt. Er schläft eine Runde und ich rauche mir eine Zigarette. Draußen dürfen wir noch. Ich döse ein bisschen ein, die Sonne wärmt so wohlig. Nachdem mein Hund mir sagt, das jetzt genug ist, zahl ich und wir spazieren am Fluss zurück zur Werkstatt.

 

 

 

 

Vor meinem Wagen stehen einige Männer und reden miteinander. Thema scheint mein Auto zu sein. Die Innenverkleidung der Fahrertür, schon immer zerfleddert, ist nun gänzlich verschwunden. Der Firmeninhaber schaut mich nicht wie sonst mitleidig an. Etwas wie Interesse oder gar Wertschätzung liegt in seinem Blick. Geschäftsmäßig geradezu. Das macht mich misstrauisch, wie immer, wenn man mir etwas verkaufen möchte. Ich werde geradezu hofiert und Jonathan erhält ein Leckerli.

Ich staune nicht schlecht, als ich den Grund der Sinneswandlung erkenne. Oma hatte in all den Jahren ihr Altgold in der kaputten Türverkleidung verschwinden lassen. Hat sie es vergessen oder war es weise Voraussicht? Was hielt sie davon ab oder hat sie dazu bewogen, den Jeep als Safe zu benutzen?

Das Auto war auf alle Fälle hin, keine Chance gnädige Frau, wir stellen Ihnen gerne für die ersten Tage einen Leihwagen zur Verfügung.

So fahre ich , Lisa vom Lande, mit einem allradgetriebenen Jeep vom Hof. Jonathan liegt auf der Rückbank, auf einer warmen Decke. Schön.

Zuhause trinke ich einen heißen Kakao und erkundige mich nach den Goldpreisen.

Danke Oma!!

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